
Dieser Lauf! Dieses Gefühl! Tausende Menschen.....
Schon um 8.00h morgens schwang ich mich aufs Fahrrad um zum Start "rüber" (über die Donau) zu fahren. Nach 20 Minuten war ich beim Brucknerhaus in dem schon hunderte Läufer wie die Bienen im Stock herumschwirrten. Überall fröhliche, erwartungsvolle Gesichter. Es lag diese Aufbruchstimmung in der Luft, diese knisternde Vorfreude, die man förmlich spüren kann.
Um 8.30h traf ich mich vor dem Linzer Parkbad mit meiner Schwägerin. Wir hatten vor ein paar Wochen beschlossen gemeinsam zu starten. Dann sollte jede ihr Tempo laufen...
Menschentrauben drängten die Straße entlang zum Start. 9 Minuten vor dem Start standen wir mit 15.000 anderen Sportlern auf der Autobahnbrücke. Die Stimmung war unglaublich. Alle waren gut drauf, Musik dröhnte über die Lautsprecher, der Sprecher motivierte die Menschenmenge, wir gehörten alle zusammen - nicht ein unzufriedenes Wort, gegenseitige Rücksichtnahme verband uns.
Dann war er da! Der Startschuss!
Ganz langsam setzte sich die riesige Menschenmenge in Bewegung. Die Schritte wurden größer und schneller, dann konnte ich laufen. Über die Zeitmessungsmatte - mein Lauf begann.
Die ersten 2 km führten über die Autobahn. Meinen Laufrhythmus fand ich nicht gleicht. Zu viele Menschen vor, neben, hinter mir. Soll ich überholen? Eher rechts oder links laufen? Ach egal. Genieße es! Und ich konnte es genießen. Hier zu laufen, wo sonst täglich hunderte Autos im Stau stehen... ein tolles Gefühl.
Nun führte die Strecke hinunter von der Autobahn. Ich freute mich sehr darauf, denn wir kamen nun in "meine" Wohngegend. Ich wußte, hier würde mein Mann mit 2 unserer Töchter stehen und mich anfeuern. (Die Große war ja als Cheerleaderin unterwegs). So viel ich auch schaute, ich konnte meine Familie nicht finden. Es waren einfach zu viele Menschen links und rechts am Straßenrand.
Doch ich sah Nachbarn, Freunde, Kolleginnen. Alle strahlten, riefen, klatschten und feuerten die Läufer an.
Glücksgefühle stiegen in mir auf und trugen mich weiter.
Km 5 - 6.... mir gings einfach nur gut. Nun war ich in einer Gruppe, in der die Läufer ungefähr meine Ausdauer hatten. Das hieß, wir liefen das gleiche Tempo, was sehr angenehm war - auf fürs Selbstbewußtsein. Endlich wurde ich nicht mehr dauernd überholt. :-).
Km 7... ich spürte ein leichtes Stechen in der rechten Seite. Hallo? Was sollte das denn? Ich bekomme doch nie Seitenstechen! War ich doch zu schnell weggelaufen? Anfangs konnte ich das Stechen noch erfolgreich ignorieren, doch nach ca. 5 Minuten wurde es so heftig, dass ich nicht mehr richtig einatmen konnte.
Was mache ich jetzt? Verdammt! Aufgeben gibts nicht. Also: runter vom Gas.... langsam werden. Links und rechts überholten mich hunderte (?) Läufer. Ich versuchte mich auf eine bewußte Atmung zu konzentrieren. Tief ein - tief ausatmen.... die ganze Luft muss raus. Schmerzen ignorieren.... Phu - es wird besser. Ein - ausatmen, ein - ausatmen, tief und bewußt....
Km 8... mir gings wieder gut! Juhu! Jetzt kam die Nibelungenbrücke. WOW!!!! So viele Zuschauer! Musik, Applaus, Zurufe .... unglaublich! Die Donau war überquert - und da musste ich schon abzweigen. "Viertelmarathon rechts, Halbmarathon links" , hörte ich ... also rechts, Richtung Innenstadt. Fast tat es mir leid, dass ich diese Stimmung nur mehr kurz genießen konnte.
Km 10... Die Linzer Landstraße. Die Shoppingmeile, Fußgängerzone... voller Leben, Power und Musik. Das Publikum war unglaublich! Und vor allem die Cheerleader :-). Da sah ich auch schon meine Große! Als sie mich entdeckte, sprang sie mit einem fröhlichen "Mama!!!!"-Schrei auf die Straße und strahlte mich an.
Das war der letzte Kick den ich noch brauchte. Da vorne war das Ziel.. vielleicht noch 50 - 70m ... Ich gab Vollgas. ... GESCHAFFT!!!!
Wahnsinn, jetzt musste ich ganz schön schnaufen... jemand hängte mir eine Medaillie um. Ach war das schön. Ich sah auf meine Uhr. 57min und ein paar Zerquetschte. Für meine Verhältnisse gar nicht so schlecht. Wenn das Seitenstechen nicht gewesen wäre.... Ach egal. Es war umwerfend!!!! Genial und einfach toll!
Nächstes Jahr unbedingt wieder - vielleicht sogar den Halbmarathon?
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Das Foto hat übrigens mein Mann gemacht - als ich ihn nicht gesehen habe :-)